DITA - DIE DIGITALE TAGESZEITUNG FÜR ÖSTERREICH                  DIGITALISIERUNG       21.3.2018

Digitalisierung Steiermark


Veranstaltung „Blockchain on Stage: Future of Life Sciences“ am 15.3.2018 in Graz - Teil 2/2

Vortragsblock 2:


Kann Blockchain das Gesundheitssystem retten?


„Nein. Nicht einmal viel Geld kann das Gesundheitssystem retten“, relativiert Eberhard Scheuer, Präsi- dent der HIT Foundation, prompt seinen Vortragstitel. Blockchain macht die Daten nicht sicherer, son- dern nur transparenter. Der Pharmakonzern NOVARTIS hat als erstes Unternehmen ein Krebsmedika- ment auf den US-Markt gebracht, das nur dann finanziert wird, wenn es hilft und ein klar definierter The- rapieerfolg eintritt. In diesem Zusammenhang kann die Blockchain-Technologie nützlich sein. Wenn ein Patientenregister mit präzisen Wirksamkeitsparameter sowie der Krankheitsverlauf genau dokumentiert, überprüft und in die Blockchain gespeichert wird, kann mit dieser Auskunft gezielt in wirksame Medika- mente investiert werden.


Zwei große Probleme sieht Scheuer im Zusammenhang mit Gesundheitsdaten. Einerseits schafft die Zentralisierung der Daten eine Art Datenmonopol. Andererseits gibt es keine Anreizstrukturen für das Bereitstellen von Gesundheitsdaten. Und genau hier will die HIT Foundation gegensteuern. Ein System soll nämlich aufgebaut werden, bei dem die Patienten ihre Daten selbst zu Geld machen können. Bei- spielsweise werden die ersten Patienten, die sich das Programm herunterladen, mit einer größeren An- zahl an sogenannten Tokens belohnt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird man diese dann in „Fiat-Geld“, d.h. in echtes Geld, umtauschen können.


Mit Blockchain Hürden abbauen und eine neue Gesundheitswirtschaft errichten.


Aktuell stecken Gesundheitsdaten in sogenannten Silos fest und können daher nicht nützlich verwendet werden, analysiert Wernhard Berger, Mitbegründer des Wiener Startups GRAPEVINE WORLD GMBH. Patienten fehlt Zugang, Überblick und Kontrolle über ihre persönlichen Gesundheitsdaten. Ärzten liegt eine unvollständige Patientengeschichte vor. Wissenschaftlern ist es nicht möglich, an diese vielen Da- ten zu kommen, um sie für Studien etc. zu verwenden. Insgesamt bedeutet dies für das Gesundheits- system eine systemische Ineffizienz. In den USA sterben einer Studie von 2015 zufolge jährlich 400.000 Menschen, weil nicht zur richtigen Zeit die richtige Information zur Verfügung steht.


GRAPEVINE vereint weltweit Unternehmen, die das gleiche Ziel verfolgen, nämlich Datentransfer zu standardisieren. Konkret geht es dabei um den Transfer von Gesundheitsdaten. Wenn Patienten ihre Gesundheitsdaten verkaufen, bekommen sie vom Unternehmen Krypto-Tokens und können mit diesen Handel betreiben oder sie umtauschen.


Integrität von Daten und Supply Chain.


Die Hauptherausforderung für Supply Chain-Systeme ist heute der große Zuwachs an Teilnehmern in der Supply Chain bzw. Lieferkette, sagt Stefan Weber, Geschäftsführer von MODUM.IO. Dadurch wer- den immer größere Datenmengen eingespeist, was dazu führt, dass Lieferketten unkoordiniert und un- durchsichtig werden. Die Frage, wer hat wann was mit den Produkten in der Lieferkette gemacht, bleibt oftmals offen. Hier kommt es zum Einsatz von MODUM. Das ist ein Supply Chain-System, das Block- chain-Technologie integriert und auf diese Weise auf eine Verbesserung der Datenintegrität über die ge- samte Lieferkette abzielt.


MODUM wird in erster Linie in der Pharmaindustrie angewendet werden. Beim Transport von Arzneimit- tel kann auf diese Weise genau und zu jedem Zeitpunkt in der Lieferkette überprüft und sichergestellt werden, dass die Produkte z.B. fachgerecht gekühlt wurden.


Blockchain und Nachhaltigkeit.


Eine der Hauptanliegen des BLOCKCHAIN HUB GRAZ ist die Verbreitung von dezentralen Technologi- en wie Blockchain, sagt Thomas Zeinzinger, einer der Geschäftsführer. Es ist wichtig, Blockchain der all- gemeinen Öffentlichkeit verständlich und zugänglich zu machen und einen breiten interdisziplinären Dis- kurs darüber anzustrengen. Blockchain hat nämlich als „Internet der Werte“ das Potenzial, unsere Wirt- schaft und Gesellschaft, wie wir sie kennen, nachhaltig zu verändern.


Weil Blockchain-Anwendungen meistens wahre Energiefresser sind, ist das BLOCKCHAIN HUB auf der Suche nach nachhaltigen Formen von Blockchain. ARTIS ist so eine nachhaltige Blockchain. Mittels der Zahlungsmethode „streems“ wird die Skalierbarkeit genau gemessen. Vergleichbar einem Wasserhahn kann man selbst entscheiden, wieviel, wie schnell und wie lange Geld fließen soll. Ein Beispiel dafür ist das Zahlen von Parkgebühr. Wenn man sein Auto parkt, aktiviert man einfach den Zahlvorgang, stoppt ihn beim Zurückkommen und zahlt dann genau nur für die geparkte Zeit.(Red. Daniel Kurzmann)

Digitalisierung Steiermark ist eine Serie

in Zusammenarbeit mit der SFG