DITA - DIE DIGITALE TAGESZEITUNG FÜR ÖSTERREICH         DIGITALISIERUNG                       28.11.2017

Was hat Schokolade und Digitalisierung miteinander zu tun? Sie tippen richtig: gar nicht so we- nig. Wir fragen bei Ausnahme-Chocolatier Josef Zotter genauer nach.


1992 erfindet Josef Zotter in seiner Grazer Konditorei die handgeschöpfte Schokolade und setzt nach der Insolvenz seiner Kaffeehäuser dann ganz auf Schokolade. Im elterlichen Hof in Riegersburg beginnt er zunächst mit einer kleinen Produktion. Das ist der Grundstein für die Zotter Schokoladen Manufaktur in Bergl bei Riegersburg. 2007 folgt die Eröffnung des „Zotter-Schoko-Laden-Theater“. Erstmals kann Scho- kolade nun direkt von der Kakaobohne weg verarbeitet werden. 2011 wird auf insgesamt 27 ha der „Ess- bare Tiergarten“ als Open-Air-Teil des Schoko-Laden-Theaters eröffnet. 2014 sperrt Zotter eine Filiale in Shanghai auf und startet 2015 auch am US-Markt. Derzeit arbeiten 180 Mitarbeiter am Standort in der Steiermark. Damit zählt das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in der Region.


Digitalisierung ist ein Schlagwort unserer Zeit. Herr Zotter, was verstehen Sie darunter und was bedeutet Digitalisierung konkret für Ihr Unternehmen?


Zotter: Man muss die Möglichkeiten, die sich durch den Fortschritt bieten, nützen – das ist in jeder Branche anders. Bei uns ergeben sich daraus auch neue Chancen. Im Schokoladenwerk bzw. in der Röstung ist eine maschinelle Verarbeitung des Rohstoffs unerlässlich – da stellt die Digitalisie- rung eine wichtige Grundlage dar. Schokolade muss gleichbleibend auf dem Punkt geröstet werden – da darf es keine Schwankungen geben, das würde sich fatal auf den Geschmack auswirken. Trotzdem ist Kontrolle und Überprüfung auch während des Verarbeitungsvorgangs sehr wichtig. Es ist also ein Zu- sammenspiel zwischen Mensch und Technik. In der Kreativität ist der Mensch un- schlagbar. So haben wir ein neues Röstverfahren entwickelt – das wäre der Maschine natürlich nie ein- gefallen. Und das ist auch der Punkt: Der Mensch muss die Maschine bedienen, neue Lösungen erarbei- ten, experimentieren und programmieren.


Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie in der Digitalisierung?


Zotter: Der Mensch hat irgendwie immer noch Angst vor der Maschine, er hat sie als Hilfsmittel und Werkzeug noch immer nicht ganz akzeptiert. Irgendwie fürchten sich die Leu- te vor Robotern und Technik, dabei ist das eine geniale Errungenschaft. Kaum ein Betrieb kann heute noch ohne Computer kommunizieren. Wenn wir z.B. das W-Lan abdrehen, steht der ganze Betrieb. Auf der anderen Seite ist das ein großes Potential. Gut, ich glaube wir haben keine Schreibmaschine, keine Farbbänder und auch keine Diktiergeräte mehr im Haus – aber sie gehen auch keinem ab. Das ist Fort- schritt. Auch der selbstverständliche Umgang mit Smartphones, auf denen man gleich online einkaufen kann und ein Lexikon und eine komplette Videoausrüstung immer dabei hat, ist nicht lebensnotwendig, aber schon sehr komfortabel. Daraus entstehen auch ganz neue Berufsfelder.


Welche Fähigkeiten werden in Zukunft entscheidend sein?


Zotter: Flexibilität, Kreativität und vernetztes Denken wird in Zukunft sowohl von Menschen als auch von Unternehmen erwartet werden. Wir kaufen heute schon 24/7 online ein, der stationäre Handel wird ver- mehrt soziale Aufgaben übernehmen müssen – wir werden Menschen wieder neugierig machen müssen und hungrig auf Infos und Erlebnisse im echten Leben. Die virtuelle Welt wird paral- lel stattfinden, aber wir werden uns nach wie vor nach einem intakten echten sozialen Umfeld sehnen. Vielleicht brauchen wir in Zukunft in diesem Bereich mehr Unterstützung und Spezialisten, um unsere so- ziale Kompetenz zu stärken – hier wird es zukünftig wohl auch neue Aufgabengebiete und Tätigkeitsbe- reiche geben.


Wie sieht die Zukunftsvision für Ihr Unternehmen aus?


Zotter: Wir testen aktuell einen ChocoBotic, das ist ein Roboter, der in Zukunft individuelle Pralinen her- stellen wird. D.h. man kann sich eine Packung Biofekt zusammenstellen und nach eigenen Vorlieben die- se Pralinen auch kreieren – also ganz neue Geschmackskompositionen sind hier in Kleinstmengen indivi- duell produzierbar, das eröffnet natürlich einen Markt der totalen Individualisierung – also ich freu mich jetzt schon drauf!


(Red. Daniel Kurzmann)

"Es ist also ein Zusammen- spiel zwischen Mensch und Technik. In der Kreativität ist der Mensch unschlagbar."

Digitalisierung Steiermark ist eine Serie

in Zusammenarbeit mit der SFG