DITA - DIE DIGITALE TAGESZEITUNG FÜR ÖSTERREICH                  DIGITALISIERUNG       19.3.2018

Digitalisierung Steiermark


Veranstaltung „Blockchain on Stage: Future of Life Sciences“ am 15.3.2018 in Graz - Teil 1/2

Aufgeteilt auf zwei Vortragsblöcke ging am 15.3.2018 von 9.00 bis 13.30 Uhr die Netzwerk-Veranstal- tung „Blockchain on Stage: Future of Life Sciences“ über die Bühne - oder besser gesagt: über die Kino- leinwand der Grazer UCI Kinowelt Annenhof.


Blockchain, Kryptowährungen, Bitcoins: Diese Begriffe sind dieser Tage in aller Munde. Aber nur die we- nigsten wissen tatsächlich, was sie bedeuten und wie sie miteinander zusammenhängen. In einer Ver- anstaltung des Clusters human technology.styria sorgen hochkarätige Vortragende für Klarheit.


Vortragsblock 1:


Die Evolution der Revolution.


Den Anfang des Keynote-Reigens macht Henrique Säuberli von der Forschungsabteilung des US-Tech- nologie-Riesens IBM. Blockchain ist nichts anderes, sagt Säuberli, als ein gemeinsames Kassenbuch („Shared Ledger“), zu dem sich alle Beteiligten in einer Lieferkette verpflichtet haben. Transaktionen werden dabei in Blöcke gefasst und in das Kassenbuch geschrieben. Jeder neue Block ist dabei mit dem vorhergehenden verbunden und enthält die exakte Historie in Form von dessen Prüfsumme („Hashcode“). Die Reihenfolge der Blöcke ist damit eindeutig und kann nicht mehr verändert werden. Dieser digitale Eintrag wird anschließend als Kopie an alle Beteiligten verteilt und von diesen verifiziert und akzeptiert.


Ein Beispiel gefällig? Wenn Rosen über eine lange Lieferkette zum Endverbraucher gelangen, werden die Daten über ihre Qualität zu jeder Zeit dieser Kette für alle einsehbar online gestellt. Eine unkompli- zierte Qualitätskontrolle wird dadurch ermöglicht, denn Fehlerquellen können schnell und effizient aus- findig gemacht und beseitigt werden.


IBM arbeitet derzeit an Micofluidics. Diese winzigen, mit Flüssigkeit gefüllten QR-Codes befinden sich beispielsweise auf Teststreifen zum Messen von Blutzucker. Sobald Blut auf den dafür vorgesehenen Bereich trifft, fließt es durch den flüssigen QR-Code hindurch und mach ihn somit unlesbar. Damit ist der Test fälschungssicher und kann auch nicht erneut verwendet werden.



Blockchain als Modell für Unternehmen.


Raimund Gross, Chefstratege für Blockchain beim deutschen Softwarehersteller SAP SE betont wieder- holt, dass Bitcoin zwar etwas mit Blockchain zu tun hat, umgekehrt ist Blockchain aber nicht exklusiv Bitcoin. Letzteres bezeichnet nämlich die auf Blockchain-Strukturen basierende digitale Währung sowie ein dezentrales und weltweites Buchungssystems. Die Kryptowährung Bitcoin hat in letzter Zeit zwar die meiste mediale Aufmerksamkeit bekommen. Aus Perspektive von Unternehmen und Geschäftsprozes- sen ist das aber Gross zufolge mitunter der untinteressanteste Fall. Der Schwerpunkt liegt eher auf den Möglichkeiten, die Blockchain für unternehmerische Anwendungen bietet. Beispielsweise ist es möglich, Blockchain innerhalb eines Unternehmens nur für autorisierte Teilnehmer zugänglich zu machen.


Mit Blockchain geht man weg von zentralisierten hin zu dezentralisierten Systemen. Das heißt, man kann mit anderen Nutzern auf Augenhöhe und ohne eine zentrale Koordinations- und Kontrollstelle zwi- schenschalten zu müssen, kommunizieren. Hier kommt ein Netzwerkgedanke zum Tragen, der sich be- reits um die 2000er Jahre in der Musikindustrie abgespielt hat. Gemeint sind „komische, halbseidene und manchmal illegale“ Filesharing-Plattformen wie z.B. Napster, führt Gross näher aus. Weil es sich damals aber im Konsumentenraum abgespielt hat, wurde damit wahrscheinlich der Transfer in die Ge- schäftswelt auch nicht geschafft. „Heute liegt der Blockchain zwar das gleiche Paradigma zugrunde, auf einmal hat es aber starke Relevanz für ganz viele Dinge, die die Kerngeschäftsbereiche betreffen.“


Derzeit arbeitet SAP mit mehreren Projektpartnern in den USA an der Drug Supply Chain Security, wel- che die Nachvollziehbarkeit zurückgegebener Medikamente sicherstellen soll.




Blockchain für große Unternehmen entdecken.


Arno Laeven, Chefberater für Blockchain beim niederländischen Mineralöl- und Erdgaskonzern SHELL, geht auf den ideologischen Wandel ein. Wenn wir mit Banknoten zahlen, vertrauen wir auf deren Echt- heit und somit auf den damit symbolisierten Geldwert. Wir lagern unser Vertrauen auf Banken aus („out- sourcing trust“), die unser Geld hüten sollen. Beim Zahlen mit Bitcoin brauchen wir nicht mehr zu ver- trauen, weil die Prozesse oder Transaktionen verifizierbar sind. Blockchain kombiniert gewissermaßen drei Technologiebereiche, nämlich Kryptographie, Algorithmus und Verteilungssysteme.


Ein paar wichtige Punkte dürfen wir, so Laeven, aber nicht vergessen: Blockchain steckt noch in den Kinderschuhen, die dahinterliegende Technologie ist auf dem Stand von Nokia 3310; wir verstehen die mit Blockchain einhergehenden Konsequenzen noch zu wenig gut; und die juristischen Rahmenbedin- gungen für Blockchain sind noch nicht geklärt. Letzteres gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund der mit Mai 2018 europaweit geltenden Datenschutzgrundverordnung.


(Red. Daniel Kurzmann)

Digitalisierung Steiermark ist eine Serie

in Zusammenarbeit mit der SFG