DITA - DIE DIGITALE TAGESZEITUNG FÜR ÖSTERREICH         DIGITALISIERUNG                       6.12.2017

Digitalisierung Steiermark

WEITERKOMMEN: Eine steirische Mediationspraxis im Portrait

Foto: Susanne Lederer

„Konflikte sind etwas Positives, wenn man sie nützt, bergen Chancen und gehören zu unserem Leben dazu“, sagt Psychologin und Mediatorin Susanne Lederer.


Eine helle Praxis, ein wertschätzender Blick und Freude im Umgang mit Menschen. Susanne Lederer ist Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Eingetragene Mediatorin. Seit mittlerweile zwanzig Jahren begleitet sie in ihrer Grazer Praxis WEITERKOMMEN Menschen im Umgang mit Konflikten. Diese können im Arbeitsumfeld, in der Familie oder ganz allgemein in Situationen auftreten, in denen sich Leute nicht wohl fühlen.


Digitalisierung spielt dabei eine indirekte Rolle: Einerseits gehen mit Veränderungen stets auch Ängste einher. Denn Menschen befürchten, dass damit auch eine Verschlechterung eintritt. Ein gutes Beispiel da- für ist der Krankenhaus- und Pflegebereich. In den letzten Jahren ist es dort im Hinblick auf Dokumentati- onsverpflichtungen zu erheblichen Veränderungen gekommen. Die Arbeitszeit wird digital erfasst, wo- durch sich die verfügbare Gesprächszeit mit den Klienten bzw. Patienten enorm verkürzt. Aber auch in- nerhalb von Teams entstehen vermehrt Konflikte, schildert Lederer.


Auf der anderen Seite entstehen Konflikte durch die Digitalisierung in der Kommunikation. E-Mails und kurze Textnachrichten werden in Konfliktsituationen verschickt und führen dann oftmals zu Missverständ- nissen. „Wenn jemand in einem Konflikt ist, ist die Kommunikation eh schon so gestört, dann können da- durch Konflikte in kürzester Zeit explodieren“, analysiert Lederer.


Durch eine schnell versendete Textnachricht ist es uns ja nicht möglich, die Mimik, Intonation und auch Gestik des Gegenübers zu „lesen“, es fehlt also das Analoge. Das Digitale, also der reine Inhaltsaspekt der Information, macht es uns schwer, den anderen richtig zu verstehen. Lederer bringt diesen Umstand gewitzt auf den Punkt: „Es ist also leichter zu schreiben, aber schwerer zu verstehen“.


Im März 2017 ist ihr erstes Buch „Konflikte einkochen: Rezepte zur Streitbeilegung“ (gemeinsam mit Kathrin Ehrhardt-Neger) erschienen. Darin möchte Lederer zeigen, dass wir Konflikte zulassen und nüt- zen sollen. Denn „sie führen dazu, dass wir uns weiterentwickeln, dass wir kreativ sind, neue Ideen pro- duzieren und – im besten Falle – Beziehungen vertiefen“.


(Red. Daniel Kurzmann)

Digitalisierung Steiermark ist eine Serie

in Zusammenarbeit mit der SFG