DITA - DIE DIGITALE TAGESZEITUNG FÜR ÖSTERREICH                  CHRONIK           6.3. 2018

Ende der Kreidezeit

Sprachlich fulminant, köstlich-ironisch und großzügig surreal überzeichnet: Niki Glattauer, Journalist, Lehrer und neuerdings Interims-Leiter einer inklusions- und integrationspädagogischen Schule in Wien, legt mit ENDE DER KREIDEZEIT ein sprachliches Feuerwerk vor. Darin beschreibt er den turbulenten Alltag der Mathematik-Lehrerin Reingard Söllner. Die 48-jährige alleinerziehende Mutter meistert auf ab- surd-humorvolle Weise die analogen und digitalen kleinen und großen Herausforderungen des Schulall- tags und – dem Untertitel zufolge – des irren Rests des Lebens.


„Ich denke, wir leben in einer denkbar ungünstigen Phase, nämlich am Übergang zweier ganz großer Kulturtechniken: Die digitale, die auf uns hereingebrochen ist und die aber noch nicht funktioniert und die analoge, die nicht mehr funktioniert. Und in diesem Spannungsfeld wird den Menschen immer mehr und mehr aufgeladen.“, fasst der Erfolgs-Autor die Kernaussage seines frisch erschienenen Buches zu- sammen. Sei es an Selbstbedienungskassen im Supermarkt oder beim Telebanking: Das alles würde Zeit kosten und irgendwo auch Arbeitsplätze.



Glattauer spart aber auch nicht damit, seine schulpolitische Botschaft anzubringen. „Momentan ist der Lehrberuf ein sehr undankbarer Beruf, weil LehrerInnen zu Unrecht unter Druck geraten sind. Plötzlich gibt es keinen Arbeitsmarkt mehr für gewisse Schultypen. Und das hängt man dann den LehrerInnen um.“ Aus der Idee der Schule – nämlich eine Bildungseinrichtung zu schaffen – hätte man im Laufe der Zeit eine „Vorfeld-Organisation für den Arbeitsmarkt“ gemacht. Durch die Digitalisierung würden Glattau- er zufolge am unteren Ende der Qualitätsjobs viele Stellen wegbrechen. Manche Schulabsolventen fin- den daher keinen Job mehr und machen die Schulen dafür verantwortlich. Hier braucht es ein Umden- ken.




Niki Glattauer, ENDE DER KREIDEZEIT, Brandstätter-Verlag 2018, 192 Seiten.



(Red. Daniel Kurzmann)